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Kaffee und Seitenblicke
01.04.2009 - von Brigitte Fuchs

Kaffee und Seitenblicke

Bei einer Tasse Tee oder Kaffee sitzen und die Menschen beobachten, macht ganz einfach Spass. Es kommt daher nicht von ungefähr, dass sich Schreibende gerne in Cafés aufhalten und über dem Duft eines heissen Getränks ins Sinnieren geraten.

Geschichten, Gedichte und Gedankenspiele sind das Resultat, das bei einer Lesung wiederum den Zuhörerinnen und Zuhörern Spass bereiten dürfte.



Auf dieses gegenseitige Vergnügen würde ich mich gerne einlassen.



Hier eine Kostprobe:

Die Schöne im Café

Schwarzwälder nehm ich nicht, tönt so nach Wald,
will lieber Zugerkirsch: bitteschön bald!

Zugerkirsch nehm ich nicht, die klingt nach Zug,
will lieber Bienenstich, ist doch auch klug.

Bienenstich nehm ich nicht, mag keinen Stich,
will lieber Crèmeschnitten, zwei Stück für mich.

Crèmeschnitten nehm ich nicht, viel zu viel Teig,
will dieses Sacherstück, auf das ich zeig.

Sacher, die nehm ich nicht, schmeckt sehr nach mehr,
will lieber Himbeermousse, die lieb ich sehr.

Himbeermousse nehm ich nicht, auch keine Torten,
will lieber Eiscrème, von allen zehn Sorten.

Eiscrème, die nehm ich nicht, eiskalt, wer weiss,
will lieber Schokodrink, warm oder heiss.

Schokodrink nehm ich nicht, riecht nach Kaffee,
will lieber Rüeblicake und dazu Tee.

Rüeblicake nehm ich nicht, ess keine Rüben,
will von der Torte, der Linzer, dort drüben.

Linzer, die nehm ich nicht, die stammt aus Linz,
will lieber Baumkuchen mit Pfefferminz.

Baumkuchen nehm ich nicht, kenn ich ja kaum,
will lieber Nusstorte, die ist ein Traum.

Nusstorte, nein, ach nein, mit all den Nüssen! –
Will jetzt beim Liebsten sein und ihn süss küssen.


© Brigitte Fuchs


Zur Person:
Geboren 1951 in Widnau/SG, Bürgerin von Einsiedeln, von Beruf Primarlehrerin, lebt als Schriftstellerin, Lyrikerin und Sprachspielerin in Teufenthal/AG; sie wurde vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Joachim-Ringelnatz-Preis 1991, dem ersten Förderpreis beim Lyrikpreis Meran 2000, beim Rilke-Festival Sierre 2003 sowie mit mehreren Werkbeiträgen des Kantons Aargau; sechs eigene Lyrikbände, zuletzt: "Handbuch des Fliegens", edition 8, Zürich 2008. Ebenfalls bei der edition 8 wurde 2006 „Salto wortale“, ein Band mit sprachlichen Kapriolen publiziert.

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